Wann ist eine Flatrate eine Flatrate?

Posted: 12th Oktober 2011 by Shadowdragon in Allgemein

Da der nächste Eintrag zu meinem Vodafonefall wohl noch etwas dauern wird, der Blog deswegen nicht “einschlafen” soll (er soll sich auch nicht nur darum drehen) und ich nebenbei auf eine interessante Frage gestoßen bin (die nicht wirklich neu ist) hier die Frage:

Wann ist eine Flatrate eine Flatrate?

Ich finde diese Frage grade jetzt interessant, weil mit Anbruch des UMTS/HSDPA/LTE Zeitalters (nahezu) sämtliche Provider dazu übergehen den Begriff neu zu definieren.

Früher (Mitte der 1990er) war es einfach, wenn man einen Internetanschluß mit Flatratevertrag hatte bedeutete das, dass man ohne Zeit- oder Volumenbegrenzung mit der am Anschluß maximal technisch möglichen Geschwindigkeit ins Internet konnte. Nennen wir das mal eine Echte Flatrate.

Mein erster eigner Provider (1&1) versuchte damals mir  aufgrund  “exzessiver Nutzung” meinen Flatratevertrag auf einen Volumenvertrag umzustellen. Alternativ wollte man mir den Vertrag kündigen. Fand ich damals lustig, hab mich kündigen lassen und bin zu Alice/Hansenet gewechselt. 1&1 hat das damals wohl bei vielen Kunden gemacht. Das warum lasse ich hier mal offen.

Es gab von einigen Providern, einige Versuche so genannte Time Flatrates einzuführen. Also Flatrates wo man zwar eine beliebig lange Zeit ins Internet konnte/kann ohne zusätzliche Kosten aber dafür ab einem gewissen Datenverbrauchsvolumen zu zahlen sollte. Das hat sich im DSL Bereich nicht durchsetzten können.

Eigentlich ist eine Time Flatrate auch “nur” ein Volumenvertrag der einen “netten” Namen bekommen hat. Beworben wurden (und werden) diese aber als Flatrates. Irgendwo im Kleingedruckten fand/findet sich dann der Hinweis auf die Volumenbegrenzung.

Jetzt mit dem Anbruch UMTS/HSDPA/LTE Zeitalters wird von den Providern wieder mit Flatrates geworben. Schließlich ist der Begriff ja bekannt und jeder kann sich etwas darunter Vorstellen nämlich, dass was aus dem DSL Zeitalter bekannt ist: Surfen ohne Zeit und Volumenbegrenzung und ohne Drosseln.

Doch schaut man sich die ganzen Angebote genauer an, findet man hier im Kleingedruckten, dass es sich garnicht um eine Flatrate wie Ottonormalverbraucher sie sich vorstellt handelt. Klar man darf dauerhaft ohne Zusatzkosten ins Internet., allerdings nicht dauerhaft mit der maximalmöglichen Geschwindigkeit. Sobald man sein, im Vertrag angegebenes, Inklusivvolumen verbraucht hat ist Ende mit schnell und der Anschluss wird bis auf die Geschwindigkeit eines ISDN Kanals (64kb/s) gedrosselt. Da kann man dann doch fast wieder sein 56k Modem auspacken.

Das mit dieser Geschwindigkeit surfen nahezu unmöglich ist sollte klar sein bei modernen Websites die auf Anschlüsse >1Mbit ausgelegt sind. E-Mails abrufen mit 64kb? Klar aber nur wenn keine großen Anhänge dran sind.

Die Drossel währe ja auch kein Problem wenn ein genügend großes Inklusivvolumen bereitgestellt würde. Allerdings sind bei einem durchschnittlichen Vertrag dieser Machart im Schnitt “nur” 5GB-10GB inkludiert. Die Provider argumentieren damit, dass round about 90% der Kunden dieses Volumen nicht erreichen würden. Ich wage das zu bezweifeln. Bei mir  stehen zwei PCs, ein Laptop und zwei Smartphones im Haushalt. Allein an Softwareupdates, E-Mails (mit Anhängen zwischen 1-50MB) und VoIP Gesprächen (TS3,Skype) kommen jeden Monat gut 5GB Volumen zusammen.

Dann kommt noch mein (unser) persönliches Hobby hinzu MMORPGs (2* WoW, 1* RIFT, 1*STO und SC2; OK kein RPG). Das Spielübermittlungsdatenvolumen (was ein Wort) würde ich so mit 0,5-1GB veranschlagen. Sollten Updates für die Spiele oder DLC hinzukommen kann es auch gerne mal 5GB werden.

Weiter kommen noch Downloads von Websites (Uniservern, Datenblätter etc.) dazu auch 1-2GB pro Monat. Meine Frau mag youtube da würde ich auch nochmal 2GB rechnen.

Allein jetzt komm ich 15GB die anfallen können. Bei Bekannten sieht es ähnlich aus. Blöd nur wenn nach 2/3 des Abrechnungsmonats das Inlusivvolumen weg ist und man dringend noch etwas runterladen muss. Sagen wir eine 200MB Datei. Das wird mit 64kb/s ziemlich langwierig (nett gesagt). Natürlich kriegt man auch Verträge mit mehr Volumen, allerdings sind diese dann zwei bis dreimal so teuer wie ein normaler DSL Vertrag.

Doch zurück zur Eingangsfrage ist so eine (ich nenne sie mal) UMTS/HSDPA/LTE Flatrate noch eine Echte Flatrate? Ist es nicht fast schon (Werbungs)betrug am Kunden wenn so was als Flatrate verkauft wird, wohl wissend was der 08/15 Kunde sich unter dem Begriff vorstellt. Ich denke ja und ich denke nicht allein so. Unter http://www.lte-anbieter.info/lte-news/verbraucherzentrale-flatrate kann man nachlesen, dass die Verbraucherzentrale genauso denkt und dagegen vorgehen will. Man darf gespannt sein was dabei rauskommt und mir bleibt nur zu raten: “darum prüfe wer sich ewig bindet…